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Ich & Ich und Juli in Bocholt

Ich & Ich und Juli in Bocholt

Nachdem bereits Stars wie Deep Purple, Bryan Adams, Joe Cocker, Status Quo, Simple Minds und Santana aber auch deutsche Größen wie BAP, Fury in the Slaughterhouse, Udo Lindenberg und Silbermond die Bühne im Stadion am Hünting in Bocholt gerockt haben, wird es auch in diesem Jahr wieder ein Open-Air Konzert der Extraklasse geben. Am Freitag, den 15. Juli begrüßen die Bands Ich & Ich und Juli ihre Fans. Einlass ist ab 17:30 Uhr, der Beginn des Konzertes ist für 19:00 Uhr geplant. Der Vorverkauf für das Konzert-Highlight beginnt am Samstag, 11.Dezember 2010 um 9.00 Uhr.


Die Tickets werden zum Preis von 34,95 Euro (inkl. MwSt und Gebühren) bei allen bekannten CTS-Vorverkaufsstellen und beim BBV erhältlich sein. BBV-Abonnenten erhalten die Karten zum Vorzugspreis für 32,95 Euro in der Geschäftsstelle des Bocholter Borkener Volksblatts (Europaplatz 26-28, 46399 Bocholt). Sofern noch vorhanden, können die Karten ebenfalls zu einem erhöhten Preis an der Abendkasse erworben werden.

Ich & Ich

Die große Fahrt geht weiter. Rund fünf Jahre nach ihrem Debütalbum setzte das Berliner Duo Ich + Ich eine weitere Zäsur in ihrem kontinuierlichen Produktionsprozess. Trotz stetiger Live-Präsenz lief die Sound- und Songarbeit seit der letzten Platte „Vom selben Stern“ im Sommer 2007 ohne Kunstpausen weiter. Die einzigartige Band-Konstellation von Ich + Ich machte es möglich. „Da ich mich von Beginn an vom Tourbetrieb freigesprochen habe, konnte ich einfach weiter an den Songs arbeiten“, sagt Annette Humpe. „Mal abgesehen von meinen Aufgaben und Pflichten als Mutter.“ Sänger und Frontmann Adel Tawil ergänzt: „Unser drittes Album ist für mich eine Symbiose aus Live und Studio. Meine Stimme hat sich durch die vielen Auftritte weiterentwickelt. Sie ist rauer und ein Stück weit auch erwachsener geworden. Das haben wir in das Album mit eingebracht. Wenn auch unbewusst und ohne jede festgelegte Konzeption.“ Als Ich + Ich seinerzeit noch namens- und masterplanlos ihr musikalisches Projekt starteten, hätte wohl niemand – am wenigsten sie selbst – damit gerechnet, welche außerordentlichen Erfolge ihre „odd-couple-Formation“ einmal erzielen würde. Mit über 1,3 Millionen verkauften Tonträgern und drei Gold- bzw. Platin-Singles in direkter Folge, haben Ich + Ich mit „Vom selben Stern“ das erfolgreichste deutsche Popalbum der Jetztzeit produziert. Und das ohne großen Rummel oder gar medienträchtige Skandale und Skandälchen. Sie sind einfach nur Musik. „Dazu kommt sicherlich, dass Annettes emotionale Texte ein wirklich breites Publikum erreichen“, ergänzt Adel Tawil. „Und wie ich aus vielen Live-Begegnungen weiß, sind die Leute wirklich berührt. Das geht durch alle Gesellschaftsschichten. Von Teenies bis zu alten Ideal-Fans. Wir sind ja nie als Jugendkultur-Ding angetreten, das schwer progressiv und Avantgarde sein wollte. Wir waren und sind Pop.


Und irgendwie hat diese Formel ein nachhaltiges Publikum gefunden.“ 12 Songs hatten sich schließlich aus diesem Arbeitsprozess für die finale Version von „Gute Reise“ herauskristallisiert. „Im Studio entstand mit Adel Tawil daraus ein lebendiges Gebilde. Mal sitzt die ursprüngliche Variante nach wenigen Takes. Mal ringen wir um jede Strophe.“ Die von Adel Tawil angesprochenen Live-Erfahrungen äußern sich in sorgfältig reduzierten Episoden. Lebens- und Liebes- Erfahrungen sind auf diese Weise in dichten (Sound)Bildern verwoben. Vom eher opulenten „Es tut mir leid“ bis zur verhaltenen Slow-Waltz-Variante „Alleine Tanzen“ haben Ich + Ich sehr sorgfältig auf Feinheiten geachtet, ohne in einen angeberischen Manierismus zu verfallen. „Natürlich sind wir akribische Arbeiter, das ist ja bekannt“, betont Annette. „Aber dabei haben wir stets die Pop- Komponente im Sinn.“ Augenfällig (weil aus dem „flow“ fallend) sind die beiden Songs „Danke“ und „Die Lebenden und die Toten“, in denen Annette Humpe das Mikrophon übernimmt.

Mal abgesehen von der jugendlichen Frische und Unbekümmertheit, die ihre Stimme ausstrahlt, ist es die Themenwahl, die aus dem Ich + Ich-Sujet herausragt: „Danke“ ist eine fast schon euphorische Hymne an die sprichwörtlichen kleinen Leute, die täglich ihren beschwerlichen Job schieben. Krankenschwestern, Müllmänner, TaxifahrerInnen… „Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen“, sagt Annette Humpe zu ihrer Version der „Fanfare to the common man.“ Es ist wohl eine Konzeption der größtmöglichen Freiheit innerhalb einer festen Formation, die Ich + Ich so herausragend machen. Adel Tawil sagt, er sei „100% Ich + Ich“ und hatte gleichzeitig mit Cassandra Steen („Stadt“) einen Nummer-Zwei-Dauerhit in den deutschen Charts. 2007 konnte er gemeinsam mit Rapper Azad im „Prison Break“-Titelsong sogar Platz Eins erringen. „Das sind mehr oder weniger Zufallstreffer“, wiegelt er ab, „entstanden aus der Zusammenarbeit mit Musikern, die ich schätze. Als diese schließlich so abgegangen sind, war ich längst wieder mit Ich + Ich auf Tour.“ Wenn Annette eher nebenbei erzählt, dass sie wiederum ein Jazzalbum auf einem spezialisierten Indielabel veröffentlicht hat, merkt man einmal mehr, dass hier wahre MusikerInnen sprechen. Die sich zwar POP auf die Fahnen geschrieben haben, aber auf die Untiefen und den überkommenen Lebens- und Verhaltensstil althergebrachter Popstars getrost verzichten können. Mit ihrem dritten Album „Gute Reise“ schossen Ich + Ich unmittelbar nach der Marktfreigabe im November 2009 an die Spitze der nationalen Charts. Wegbereiter dafür war die spektakuläre Vorab- Auskopplung „Pflaster“, die kurz zuvor schon Platz Nummer 1 der deutschen Top 100 belegte. „Gute Reise“ spielte in kürzester Zeit Mehrfach-Platin ein, die Single „Pflaster“ erhielt eine goldene Schallplatte und der ECHO 2010 in der Kategorie „Erfolgreichstes Produzententeam National“ ging an Ich + Ich. Im März 2010 veröffentlichten Ich + Ich die Single „Einer von Zweien“ und im August eine neue Version des Titels „Universum“ inklusive sieben Remixen und zwei brandneuen Songs. Die im April begonnene und zum Teil schon weit vorher ausverkaufte „Gute Reise Tour 2010“- durch Deutschland und Österreich verlängerte Adel Tawil live mit Band durch viele Open Air-Auftritte und – Konzerte bis in den Herbst. Bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest 2010 im Oktober vertrat Ich + Ich das Land Berlin mit dem Song „Yasmine“, den Adel Tawil als Duett mit dem ägyptischen Superstar Mohamed Mounir eingespielt hatte. Während des Ich + Ich-Konzerts in der Berliner Kindl-Bühne Wuhlheide ließen es sich die beiden befreundeten Künstler nicht nehmen, das arabeske Musikstück gemeinsam live vorzutragen und ernteten dafür großen Jubel bei den Fans. Auch der Gastauftritt von Deutschlands Rapper Nummer Eins Sido, mit dem Adel Tawil dessen Song „Der Himmel Soll Warten“ performte, kam beim Publikum sehr gut an. Die gesamte Ich + Ich-Show in Berlin wurde aufgezeichnet und wird im November 2010 auf einer Live-DVD veröffentlicht werden. Unmittelbar nach dem Konzert nahmen Annette Humpe und Adel Tawil für ihr zweites Album „Vom selben Stern“, das sich bis dahin über 1,3 Millionen Mal verkauft hatte, den „IFPI Platinum European Award“ entgegen. Das aktuelle Album „Gute Reise“ wurde bei diesem Anlass mit 3fach Platin und Gold für mehr als 700.000 verkaufte Einheiten ausgezeichnet.


Juli

Vor sechs Jahren hat eine junge Band aus Gießen mit ihrem Debut-Album Es ist JULI und einem Song namens „Perfekte Welle“ vorgeführt, dass Pop hierzulande auch dann mehrheitsfähig ist, wenn er sich mehr erlaubt, als über einer Klangtapete aus Kirmestechno oder Baukasten-R&B wahlweise weibliche Rundungen respektive die ewige Liebe zu preisen.  Die Band nannte sich JULI und „Perfekte Welle“ war frischer, mitreißender Gitarrenpop, wie man ihn Deutschland bis dato eigentlich fast nur in den Indie-Diskos hören konnte – und selbst dort in der Regel von britischen Bands. Am Erfolg von „Perfekte Welle“ sollte künftig nicht nur die Band JULI selbst gemessen werden, sondern so ziemlich alles, was in Deutschland eine Gitarre in der Hand halten konnte. Während die großen Plattenfirmen in der Folge sämtliche Bands mit Sängerin unter Vertrag nahmen, derer sie habhaft werden konnten, und diesen dann – falls die es nicht ohnehin schon taten – verordneten, Deutsch zu singen, bewiesen JULI spätestens mit ihrer nächsten Single „Geile Zeit“, dass sie die selbst gesetzten Maßstäbe mühelos erfüllten.

Als 2006 ihr zweites Album Ein neuer Tag erschien, stieg dieses von null auf eins in den deutschen Albumcharts ein und erreichte bereits am Erstverkaufstag Platinstatus. 2010 sind Eva Briegel (Gesang), Simon Triebel (Gitarre), Jonas Pfetzing (Gitarre), Dedi Herde (Bass) und Marcel Römer (Schlagzeug) zu einer Band gereift, die nicht nur weiß, was sie will, sondern auch weiß, dass es manchmal viel effektiver ist, das eigene Wollen hinten anzustellen und stattdessen einfach mal zu machen. Solange, bis man sämtlichen Erwartungen gerecht wird. Und zwar nicht denen, die Andere an einen stellen, sondern den eigenen. Auch wenn man anfangs vielleicht noch gar keine hat. Klingt widersprüchlich? Weshalb In Love, das dritte Album von Juli, Widersprüche nicht nur zulässt, sondern sich diese ganz bewusst zu Nutze macht. Auf In Love klingt die Band neu, aufregend anders und doch as JULI as JULI can be. Der Sound mag elektronischer sein, die Texte mögen deutlicher und häufiger als zuvor in der Tradition des Chansons stehen, und doch glänzt bereits die erste Single „Elektrisches Gefühl“ mit allem, was einen klassischen JULI-Hit ausmacht: optimistischen Lyrics, bei denen das Licht vor allem deshalb so hell strahlt, weil es aus dem – in JULI-Texten niemals verschwiegenen – Schatten heraustritt, einer unwiderstehlichen Hookline und einem gnadenlos mitreißenden Refrain. Doch wo bisher in JULI-Songs gerne die Gitarren dominierten, wird dieser Song in erster Linie von seinem magischen perkussiven Beat getragen.


Dass „Elektrisches Gefühl“ in Bälde die Tanzflächen sämtlicher Danceclubs, Großraumdiskotheken und Indie-Schuppen in bisher nie gekannter Eintracht zum Beben bringen wird, dürfte außer Frage stehen.  Nicht weniger überschwänglich, treibend und jubilierend ist „Süchtig“, eine hypnotische Elektrodisko-Ode ans Verliebtsein, inklusive four-to-the-floor-Kickdrum und treibendem Sequenzerbass.  Doch selbst diese ausgesprochenen Dancetracks, die eine der zwei prägnantesten Facetten von In Love ausmachen, entbehren nie einer gewissen sehnsüchtigen Grundmelancholie. Am allerdeutlichsten wird das bei „Immer wenn es dunkel wird“, das, obwohl durchaus auf´s Tanzbein abzielend, den Schmerz nach dem Verlust mit so bewegenden Worten verarbeitet, dass einem mit dem Hemd beim Tanzen auch schon mal die Seele aus dem Hosenbund rutschen kann.  Oh ja, In Love hat durchaus eine dunkle, nachdenkliche Seite: jene zweite der erwähnten Facetten. Eine, die sich eben nicht ausschließlich auf die Balladen beschränkt, wenn sie dort auch besonders zum Tragen kommt. „Eisenherz“ etwa steht, was die Lyrics angeht, den berückenden tragischen Liebesliedern von Chansongrößen wie Alexandra oder der Knef in wenig nach. Selten wurden Drama, Pathos und Herzeleid in der deutschen Popmusik mit soviel Eleganz und Feingefühl inszeniert.  Was ihr Händchen für strahlende Popmomente angeht, mögen sich JULI absolut treu geblieben sein, wie sehr sich diese Band im Jahre 2010 dennoch von dem unbekümmerten Haufen Jungspunde unterscheidet, der sie vor sechs Jahren vermutlich noch gewesen ist, zeigt vor allem ein Song des Albums auf: „Jessica“ ist vielleicht kein prädestinierter Single-Kandidat, aber nichtsdestotrotz der herausragende Track auf In Love, und vermutlich nicht nur dort, sondern in der gesamten bisherigen, an Höhepunkten wahrlich nicht armen Historie dieser Band. Wie Eva Briegel mit den Worten eines halbseidenen Managers oder Produzenten von den schmierigen Schattenseiten des Popzirkus erzählt und dann zum Refrain die Perspektive wechselt, ist einerseits ganz große Storytelling-Kunst und stellt andererseits noch einmal fulminant heraus, worin die beeindruckendsten Qualitäten dieses Albums liegen: in seiner Ambivalenz, seinen Widersprüchen. Die inszenieren JULI, wie es im Moment keine andere deutsche Pop-Band zu tun vermag.

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